Bille Wochenblatt - Drogen-TÜV kommt nicht gut an

vom 16.08.2012

Schleswig-Holsteins neue Regierung plant einen Drogen-TÜV. Das heißt: Drogenkonsumenten können vor dem Konsum von Experten feststellen lassen, ob ihre Drogen „sauber“ sind oder „gestreckt“ wurden. Doch was für die einen unter Gesundheitsschutz fällt, ist für die anderen eine gefährliche Entkriminalisierung von Drogen.

Für Christoph Schmidt, Leiter der Sucht- und. Drogenberatung im Reinbeker Beratungszentrum Südstormarn, sind die Pläne der Landesregierung ein falsches Signal. „Damit würde die ehemals verbotene Droge Cannabis fast legalisiert, Grenzen würden aufgehoben", sagt der Drogenberater Schmidt.
Seit 22 Jahren als Suchtberater in Reinbek mit Jugendlichen zu tun. Cannabis, sagt Schmidt, ist in Reinbek und Umgebung neben Zigaretten und Alkohol nach wie vor die Droge Nummer eins. Vier Drogenberater und Projektkräfte besuchen daher regelmäßig die Schulen im Umkreis, um Jugendliche über die Gefahren der Drogen aufzuklären.

Ein Einsatz, der sich lohnt.

Immerhin ist der Konsum nicht gestiegen, sondern seit vielen Jahren annähernd gleich geblieben, sagt Schmidt. „Die Jugendlichen sind vorsichtiger mit dem Ausprobieren geworden", meint auch der Drogenberater Paul Binet. Allerdings wissen die beiden auch: ein kleiner Teil der Jugendlichen konsumiert exzessiv Drogen. Gerade beim Cannabis kann sich das gefährlich auswirken. „Dessen Wirkung ist in den letzten Jahren immer intensiver geworden", sagen die beiden von der Drogenberatung. „Besonders bei jungen Menschen, deren Gehirn noch nicht voll ausgereift ist, kann der Cannabis-Konsum zu Entwicklungsverzögerungen oder gar Schädigungen führen", sagt Binet.

Das geplante „Drug-Checking" halten die Experten für einen falschen Impuls, weil es unterschwellig suggeriert, dass Cannabis an sich eine unproblematische Droge ist, die man bedenkenlos nehmen kann. Das Argument, Alkohol sei gefährlich, aber legal, lassen die beiden nicht gelten. „Unsere Position zu Cannabis sagt nichts über Alkohol aus. Da er fest in unserer Gesellschaft verankert ist, lässt sich das Rad nicht so einfach zurückdrehen. Trotzdem bleibt Cannabis gefährlich."

Übrigens haben die Suchtberater ein neues Problem in ihr Präventionsprogramm aufgenommen: die Mediensucht. Das Beratungszentrum in der Scholtzstraße 13b in Reinbek ist unter 040/72 73 84 50 oder bz@svs-stormarn.de zu erreichen und hat Zweigstellen in Glinde, Barsbüttel, Trittau. www.svs-stormarn.de

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