Bergedorfer Zeitung - Zweites Kinderhaus bleibt in der Warteschleife

Bergedorfer Zeitung 17.09.2009

Glinde. Wird die Stadt in absehbarere Zeit Standort eines Kinderhauses des Deutschen Kinderschutzbundes? Diese Frage stand erneut im Mittelpunkt der Sitzung des Sozialausschusses. Deutlich wurde, dass einhellig Bedarf für zusätzliche Angebote gesehen wird, die sich an Kindern und deren Eltern richten. Uneinigkeit besteht jedoch, wenn es ums Wie geht. Ingo Loeding, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes, Kreisverband Stormarn, hatte einen Antrag auf Unterstützung der Arbeit des Kinderschutzbundes in Glinde eingebracht. Er machte deutlich, dass ein zweites Kinderhaus eine andere Ausrichtung haben würde, als die bestehende Einrichtung in Regie der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit (SVS) am Schlehenweg. Doch genau so klar wurde, dass der Kinderschutzbund nur nach Glinde kommen kann, wenn ihm von der Stadt eine Immobilie zur Verfügung gestellt wird. Ansonsten geht sein finanzielles Konzept nicht auf. Bürgermeister Uwe Rehders macht noch einmal deutlich, dass die Obdachlosenunterkunft am Togohof – Wunschstandort des Kinderschutzbundes – nicht zur Verfügung steht, da es unmöglich ist, die Obdachlosen anderweitig unterzubringen. „Wir haben keine anderen stadteigene Räume“, so Rehders.

Manchem Politiker ging es auch um Inhalte. So vermisste Ausschuss- Vorsitzende Susanne Böhnert- Tank die spezielle Ausrichtung des Kinderschutzbund- Konzepts auf Glinde. „ Ist abgestimmt, wo genau Bedarf für weitere Angebote besteht?“, fragte sie Loeding. Der verwies darauf, dass der Kinderschutzbund nie etwas tue, um andere Träger zu übertrumpfen. Das konnten die anwesenden Vertreter der Träger in der Kinder- und Jugendarbeit nicht überzeugen. Sie machten in einer schriftlichen Stellungnahme deutlich, dass die Stadt über ein vielfältiges und effektives Angebot verfüge. Allerdings müsse die ausgebaut werden. „ Es gibt keine Dissens über den zusätzlichen Bedarf“, betonte Matthias Richter, Leiter des SVS- Kinderhauses. „ Ich stoße mich daran, dass hier ein Parallelangebot aufgebaut werden soll, obwohl wir Kapazitäten haben.“ Außerdem sei zu hinterfragen, welche Konditionen einem anderen Anbieter gewährt würden. Die SVS habe ihr Kinderhaus mit Hilfe der Aktion Mensch gebaut, das Grundstück sei gepachtet. Die Kuh vom Eis zu bekommen, versuchte schließlich Frank Lauterbach (SPD). „ Es wäre sinnvoller, wenn die Aktteure vor Ort sich zusammensetzten, um zunächst den Bedarf zu klären und dann zu sehen, wie man etwas bewegen kann. Vielleicht ist es in einem dritten Schritt möglich, über ein zweites Kinderhaus nachzudenken“, so Lauterbach.

In einer kurzen Sitzungsunterbrechung formulierten alle Fraktionen einen gemeinsamen Antrag. Er sieht die Einrichtung einer Arbeitsgruppe mit der Maßgabe vor, den Kinderschutzbund nach Glinde zu holen. Sie soll aus Vertretern der sozialpädagogischen Netzwerks in der Stadt, des Kinderschutzbundes sowie der Fraktionen bestehen. Ergebnisse sollen bis Ende des Jahres dem Ausschuss vorgelegt werden.

Die Suche nach dem richtigen Weg

Endlich kehrt Sachlichkeit ein in die Debatte um ein zweites Kinderhaus für Glinde – dieses wichtige Thema verdient es. Anstatt eine Entscheidung über Knie zu brechen, wird in einer Arbeitsgruppe erst einmal geschaut, was gebraucht wird. Verständlich ist die Enttäuschung des Kinderschutzbundes, der mit einem Zuschlag schon auf der letzten Stadtvertretersitzung gerechnet hatte. Schließlich ist sein Konzept andernorts sehr erfolgreich. Verständlich ist aber auch die Skepsis der bereits in Glinde aktiven Träger von Angebot für Kinder und Familien. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass Potenzial im Ort vorhanden ist. Nun gilt es, den richtigen Weg zu finden, um die Kinder- und Jugendarbeit weiter zu verbessern – mit oder ohne zweites Kinderhaus.

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