Bergedorfer Zeitung - Sie weisen den Weg aus der Krise

Bergedorfer Zeitung vom 5. April 2011

JOBCENTER Projekt „Wefi“ betreut seit Januar auch Langzeitarbeitslose mit Schuldenproblemen

Die Post von mehr als 20 Gläubigern füllt den Briefkasten. Doch die Rechnungen laufen ins Leere. Der Schuldner hat resigniert. Seine Schulden häufen sich auf mehrere Tausend Euro an.

Der Job ist weg und das Gefühl, „es lohnt sich für mich ja doch nicht zu arbeiten", schleicht sich ein. Die Situation scheint ausweglos. Im Jobcenter an der Borsigstraße 22 können Langzeitarbeitslose den ersten Schritt aus der Misere wagen. Dabei hilft ihnen die Initiative „Wefi plus", die jetzt auch bei Schuldenproblemen berät. „Wefi" steht für „Wege finden".

Bei psychosozialen Problemen, die die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt erschweren, zeigt seit 2009 ein Kooperationsprojekt des Jobcenters Stormarn, des Kreises Stormarn und des Beratungszentrums Südstormarn Wege aus der Misere auf. Es löste unter anderem die Suchtberatungen ab, die bis 2008 aus Geldern der Europäischen Union finanziert wurden. „Wir konnten den Kreis dazu bewegen, das Projekt weiter zu finanzieren", sagt Christoph Schmidt, "Leiter der Sucht- und Drogenberatung Südstormarn. Die Finanzierung ist für zwei weitere Jahre gesichert und konnte jetzt ausgeweitet werden. Wegen der vielen Anfragen kam die Schuldnerberatung der Sönke-Nissen-Park-Stiftung dazu.

Geholfen werden soll Empfängern von Arbeitslosengeld II (Hartz IV), die aufgrund ihrer persönlichen Defizite keine Arbeit finden. Dafür stehen die Diplom-Sozialpädagogin Wiebke Dunker und die Bankkauffrau Monique Hoenig zur Verfügung. Dunker kümmert sich (dienstags von 9 bis 12 Uhr) vor allem um Menschen mit psychischen und Suchtproblemen. Hoenig hilft aus einer Überschuldung (donnerstags 8 bis 12 Uhr). Ihr Büro ist ganz bewusst mit im Gebäude des Jobcenters untergebracht. Dadurch wird die Hemmschwelle herabgesetzt, eine Beratungsstelle aufzusuchen. „Viele haben den Rat ‚gehen Sie doch mal dorthin' bisher nicht angenommen. Hier ist die Schnittstelle bewusst sehr eng gesteckt", sagt Dunker. „Wir sind aber unabhängig und unterliegen der Schweigepflicht", betont sie. Das Jobcenter werde lediglich über die Ergebnisse der Beratungsgespräche informiert.

Etwa drei .Klienten pro Termin berät Monique Hoenig, die auch in der Schuldnerberatung der Sönke-Nissen- Park-Stiftung in Glinde tätig ist. In einigen Fällen kann sie schon mit einfachen Tipps helfen, vorher scheinbar unüberwindliche Hürden wegzuräumen. Wie zum Beispiel mit der Einrichtung eines Pfändungsschutz-Kontos, das per Gesetz seit 1.:Juli 1000 Euro vor dem Zugriff von Gläubigern schützt.

Wiebke Dunker macht Hausbesuche, wenn es darum geht, Menschen, die seit Jahren keine Hilfe gefunden haben, wieder in die Gesellschaft zurückzuführen. „Etwa bei Menschen mit einer Angsterkrankung, die das Haus nicht mehr verlassen können."

7500 erwerbsfähige Stormarner beziehen Leistungen vom Staat und werden in den Jobcentern betreut. Etwa 320 Menschen mit Schulden- und psychischen Problemen könnten pro Jahr durch das „Wefi"-Projekt beraten werden.

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