Bergedorfer Zeitung - Mehr Anteil am Leben der Kinder

Bergedorfer Zeitung vom 12.05.10

Interview Matthias Richter über die neue Rolle der Väter

Glinde. Matthias Richter (54) ist Familientherapeut, Psychologe und dreifacher Vater. Mit „bz"-Autorin Annett Habermann sprach er über die Ansprüche, die Väter von heute an sich haben, und über den Vatertag.

 „bz": Herr Richter, hat der morgige Himmelfahrtstag für Sie auch eine Bedeutung als Vatertag?

Matthias Richter: Nein, der könnte von mir aus auch abgeschafft werden. Meistens sind es ja doch junge Männer, die noch keine Kinder haben und diesen Tag als Trinkgelage zelebrieren. Genau das passt eigentlich nicht ins Vaterbild von heute.

Wie sieht dieses Bild aus?

Viele Männer haben heute ganz andere Ansprüche an ihr Vatersein. Früher war die Beziehung zu den Kindern mehr von Autorität geprägt, der Vater verdiente das Geld. Mittlerweile haben sich die Erwartungen der Gesellschaft und auch der Väter selbst geändert.

Welche Erwartungen werden an heutige Väter gestellt?

Gesellschaftlich hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass sie als Bezugspersonen genau so wichtig sind wie Mütter. Das fixiert sich zum Beispiel an der Elternzeit, von der auch Männer Gebrauch machen können. Die Väter von heute haben den Anspruch, auch Bezugsperson zu sein statt nur Ernährer, Regelsetzer und Familienoberhaupt. Sie nehmen mehr Anteil am Leben ihrer Kinder und investieren mehr Zeit. Die Rollen der Eltern haben sich anders verteilt. Männer, die den Einkaufwagen schieben, in dem das Kind sitzt, sind heute viel selbstverständlicher. Sie sind Vater von drei erwachsenen Kindern.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der neuen Vaterrolle gemacht?

Noch vor zwanzig Jahren erntete ich bewundernde Blicke, als ich mit meinen Kindern allein Zug gefahren bin. Ein Mann, der allein seine Tochter wickelte – das war ein ungewohnter Anblick.

Sie bieten in Glinde einen Vätergesprächskreis an. Mit welchen Problemen kommen Männer zu Ihnen?

Alleinerziehende, Scheidung, Erziehungsprobleme, Pubertät – das kann ganz unterschiedlich sin. Aber es muss nicht immer um Probleme gehen. Zu dem offenen Kreis ist auch der Vater eingeladen, der drei Kinder hat und dem das trotzdem nicht über den Kopf wächst. Vielleicht möchte er wissen, wie es anderen Vätern geht, Erfahrungen weitergeben und sich austauschen.

Der nächste Termin: Donnerstag, 20. Mai, 18:30 Uhr im Kinderhaus, Schlehenweg 1 b.

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