Bergedorfer Zeitung - Immer mehr Teenager schwanger

Bergedorfer Zeitung vom 07.09.10

Immer mehr Teenager schwanger

Mehr als 200 Mädchen und Frauen suchen hier pro Jahr Hilfe

Die hellen, freundlichen Zimmer verbreiten Wohlfühlatmosphäre - und das ist wichtig, schließlich kommen hier sehr persönliche Anliegen zur Sprache. Zum Beispiel mit Diplom-Sozialpädagogin Monika Fangohr: Sie ist im Beratungszentrum Südstormarn zuständig für die psychosoziale Beratung von Mädchen und Frauen. für Schwangerschaftskonflikt- sowie Schwangeren- und Familienhilfeberatung. „Das Angebot ist kostenfrei, auf  Wunsch anonym und unterliegt der Schweigepflicht", erklärt Fangohr. Und der Service wird gebraucht: Im Jahre 2009 haben laut Fangohr im Beratungszentrum 221 Personen insgesamt 331 Termine zum Thema Schwangerschaft wahrgenommen, davon waren 18 minderjährig.

 

Fangohr ist seit mehr als 20 Jahren dort tätig: „Im Vergleich zu früher gibt es mehr minderjährige Schwangere, auch aufgrund von Orientierungslosigkeit und mangelnden beruflichen Perspektiven. Die Gründung einer eigenen Familie entspringt oft dem Bedürfnis nach einem heilen Zuhause." Demgegenüber befürchten viele Mütter, sich ein weiteres Kind nicht leisten zu können, „finanziell, aber auch kräftemäßig". ,,Viele Akademikerinnen verzichten auf Kinder, um sich nicht ihre Berufschancen zu verderben", hat sie aus vielen Gesprächen erfahren.

Die Beratung sei ergebnisoffen und solle bei der Findung einer individuell tragbaren Entscheidung helfen. So auch die Pflichtberatung zur Schwangerschaftsabbruch:

„Die Schwangeren bekommen nach dem Gespräch immer einen Abbruchschein", erklärt Fangohr. Zwischen Beratung und Abbruch liege jedoch stets eine Bedenkzeit von drei Tagen, damit keine Panikentscheidung getroffen werde „Viele Frauen wollen im Falle eines Abbruchs die Vergangenheit hinter sich lassen", führt Fangohr aus, dabei sei eine Nachbereitung wichtig, um den Eingriff zu verarbeiten: „Oft kocht der Abbruch wieder hoch. Frauen - insbesondere auch Mädchen, die als Teenager abgetrieben haben - kommen dann Jahre später mit großem Redebedarf erneut zu uns."

Etwa die Hälfte der schwangeren Teenager im Alter von 15 bis 18 Jahren entscheide sich jedoch dafür, das Kind auszutragen, auch ohne Partner. Die Hintergründe von Teenagerschwangerschaften seien vielfältig: „Es ist ein Phänomen, das sich durch alle Schichten zieht", erklärt Fangohr. Neben Orientierungslosigkeit sei Halbwissen über Verhütung ein Grund: ,,Relevant ist zudem oft mangelndes Selbstbewusstsein, beim Partner für Verhütung einzutreten - ein Kommunikationsproblem, das auch viele Erwachsene haben."

Manchmal verschweigen die Teenager ihren Eltern anschließend aus Angst die Schwangerschaft - darunter seien insbesondere auch Mädchen mit Migrationshintergrund, diese kämen dann allein oder mit Freundinnen. Generell kommen viele Schwangere mit ihren Müttern, seltener auch Partnern, in die Beratungsstelle. „Es ist gut, wenn derartiger Rückhalt besteht, aber auch wichtig, mit den Mädchen alleine zu sprechen. Oft gebe es Konflikte im Elternhaus, Ängste, die die Mädchen nicht vor Dritten äu-ßern würden. „Wir beraten aber auch die Familie seelisch und zu gesetzlichen, Hilfeangeboten ergänzt Fangohr.

Es sei wichtig, bei der Beratung empathisch zu sein, sich, dabei aber professionell abzugrenzen. „Das fällt nicht leicht. Es gibt Fälle, die gehen direkt ins Herz."

Beratungszentrum Südstormarn,

Scholtzstraße 13.b, Telefon (040) 7229696

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