Bergedorfer Zeitung - Immer mehr Männer sind spielsüchtig

vom 16.10.2012

Reinbek. Mit zwei Euro Einsatz hat Ursula Behrens-Tönnies am Spielautomaten 100 Euro gewonnen. Die Diplom-Psychologin der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit eV. (SVS) hat sich über den Gewinn gefreut - und seitdem eine Spielhalle nie wieder betreten. Für viele ist der schnelle Gewinn jedoch der Einstieg in eine Sucht, von der die Betroffenen genauso schwer wieder loskommen, wie der Alkoholiker vom Hochprozentigen, weiß sie. Viele Menschen kommen zu ihr und ihren Kollegen ins Beratungszentrum der SVS, wenn gar nichts mehr geht - sie sind finanziell ruiniert, oft ohne Job und mit problematischen Familiengeschichten.

Rund 20 000 Menschen sind in Schleswig-Holstein spielsüchtig, im Kreis Stormarn leben zwei- bis dreitausend Süchtige", schätzt Christoph Schmidt, Bereichsleiter der SVS. Auch in Stormarn sei der bundesweite Trend zu erkennen: Während die Zahl der Alkoholabhängigen über die vergangenen Jahre relativ konstant geblieben ist, steigt die Zahl derer, die vom Glücksspiel nicht mehr lassen können. Allein deshalb begrüßt das SVS-Team die Bemühungen der Landesregierung, das Glücksspielgesetz wieder rückgängig zu machen. im Alleingang hatte eine schwarzgelbe Mehrheit dieses Mitte 2011 verabschiedet und aus dem Land einen attraktiven Standort für Glücksspielanbieter gemacht. Das Problem: „Es ist erwiesen, dass die Zahl der Süchtigen mit dem Angebot an Spielhallen steigt", so Schmidt. lm Zuge dessen würde er gern auch Werbung für Glücksspiele unterbinden.

Zu 90 Prozent sind die Süchtigen Männer, nicht selten haben sie ausländische Wurzeln", weiß er. Über die Gründe dieser geschlechterspezifischen Sucht kann er nur spekulieren. Möglicherweise sind sie risikofreudiger, wollen austesten, was sie alles beherrschen." Sein Kollege, Diplompädagoge Wolfgang Klespe, macht noch einen weiteren Grund aus: ,,Frauen fühlen sich in den Spielhallen einfach nicht wohl."

Die meisten Süchtigen schaffen es, ihre Abhängigkeit jahrelang geheim zu halten.

Unter anderem die langen Öffnungszeiten der Spielhallen machen es ihnen leicht, viele haben fast rund um die Uhr geöffnet. Süchtige spielen in der Mittagspause, legen auf dem Weg nach Hause einen Zwischenstopp in der Daddelhalle ein, andere bleiben gleich die ganze Nacht.

Bei 20 Cent Ersteinsatz lassen sich auch Verluste lange Zeit verkraften. Oft werden Familienangehörige erst dann aufmerksam, wenn das Konto gefährlich ins Minus rutscht Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können. ,,Arbeitgeber hören meist dann genauer hin, wenn Mitarbeiter des öfteren um einen Gehaltsvorschuss bitten", weiß Schmidt.

Wer sich an die SVS wendet, bekommt innerhalb einer Woche einen Beratungstermin. Gemeinsam wird überlegt, wie dem Betroffenen am schnellsten geholfen werden kann. Wenn nötig, sei auch eine stationäre Behandlung möglich. Allerdings: Mehr als 70 Prozent werden rückfällig.

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