Bergedorfer Zeitung - Denkanstöße zum 20. Geburtstag

vom 14.09.2012

Anekdoten wollte Einrichtungsleiter Matthias Richter zur Feier der 20jährigen Arbeit „seines" Kinderhauses der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit (SVS) nicht erzählen. Wichtiger ist ihm die Grundhaltung im Kinderhaus: „Bei uns wird das betreute Kind nicht als Individuum gesehen, mit dem etwas nicht stimmt. Wir schauen vielmehr, was hinter seinem Verhalten steckt, auf das Umfeld, das es zu verbessern gilt."

Glindes Bürgermeister Rainhard Zug erinnerte daran, dass die Kinderhaus-Arbeit vor 20 Jahren noch ohne das Gebäude und mit lediglich sechs Kindern begann. Er lobte das Team: „Sie haben das soziale Netz für Südstormarn gewährleistet." Er hob das nachhaltige Zusammenwirken mit anderen Einrichtungen wie dem Allgemeinen Sozialen Dienst hervor. Dieses sei der Schlüssel des Erfolges, auch für die Partnerschaft mit der Stadt. Als „Partner der Jugendhilfe" und ,,Motor der Sozialarbeit" bezeichnete Jugendamtleiter Wilhelm Hegermann das SVS-Kinderhaus.

Richter aber wollte zur Feier des Tages Denkanstöße gehen. Er konnte den Hochschullehrer und Professor für Sozialarbeit, Johannes Herwig-Lempp, ebenso wie Richter Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) für den Festvortrag gewinnen. Herwig-Lempp erläuterte, wie sielt das Menschenbild eines Sozialarbeiters auf die praktische Arbeit auswirken kann.

„Menschenbilder geben eine Orientierung. Man sollte sich jedoch immer daran erinnern, dass es noch andere Perspektiven gibt als jene, die man gerade einnimmt. Denken Sie daran, wenn Sie mit einem schwierigen Gegenüber umgehen müssen. Fragen Sie sich, ob Sie etwas von seinem Verhalten auch bei sich finden", empfahl er.

Richter konnte die systemische Grundhaltung für die Arbeit seines Teams bestätigen:

„Wenn ein Junge jeden zwei ten Tag Bauchschmerzen vorgibt, weil er nach Hause möchte und die Hausaufgaben verweigert, denken wir nicht: „wie nervig“, sondern wir überlegen: „Was steckt dahinter? Wann habe ich körperliche Beschwerden? - Wenn mir etwas auf der Seele liegt“, erläutert er. So komme man im Gespräch vielleicht dahinter, dass der Junge sich sorgt, weil seine Mutter psychische Probleme habe und er nach ihr sehen will.

Das Kinderhaus, steht auf städtischem Grund, wird aber vom Kreis getragen. Die SVS unterhält jeweils ein Kinderhaus in Glinde und Trittau. Neun pädagogische Experten und fünf weitere Kräfte unterstützen 22 Kinder zwischen sieben und 14 Jahren aus Familien in schwierigen Lebenslagen. Sie werden werktags vom Schulschluss bis 16.30 Uhr betreut. Das Angebot richtet sich an Familien aus Reinbek, Glinde, Barsbüttel, Oststeinbek sowie Trittau und Umgebung. Neben dem Mittagessen erhalten sie Unterstützung bei den Hausaufgaben sowie Anregungen für die Freizeit.

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