Bergedorfer Zeitung - Amerikaner baut Brücken aus der Sucht

vom 28.04.11

„Die Schüler fragen mich immer mit Unverständnis, warum ich in Norddeutschland wohne. Ich könnte doch viel schöner in Hollywood leben", sagt Paul, Binet. Die Antwort ist einfach. Der 54-jährige Amerikaner ist vor zwölf Jahren der Liebe wegen nach Glinde gekommen, nachdem er in Washington seine Frau kennengelernt hatte. Seit kurzem ist er auch beruflich mit Stormarn verbandelt. Christoph Schmidt hat ihn für die Suchtberatungsstelle in Reinbek angeworben. Der Leiter des Beratungszentrums Südstormarn kennt den Diplom-Psychologen schon seit neun Jahren aus der Zusammenarbeit für Projekte in der sogenannten Sekundärprävention. Der Vorgänger Wolfgang Klespe hat hausintern eine neue Aufgabe übernommen.

Bisher hat Binet in Ratzeburg gearbeitet. Sein neuer Wirkungskreis wird den Wahl-Glinder jetzt an Schulen in Südstormarn führen. Dort möchte er Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche sein, die bereits Suchterfahrungen gemacht haben.

„Wir haben eine große Nachfrage von Schulen, die wir nicht ansatzweise bedienen können", sagt Schmidt. Etwa dreimal pro Woche wird Binet an Schulen zu Gast sein und Jugendlichen Brücken aus der Sucht bauen. „Eine gute Prävention kann einen guten Rausch verderben", ist er sicher. Binet hat ein Repertoire von mehr als 100 verschiedenen Übungen, die Suchtverhalten zum Thema haben. Was er mit den Schülern bespricht, fällt unter die Schweigepflicht. Lehrer sind in den Präventionsstunden nicht anwesend. „Mir ist es wichtig, dass die Kinder wissen, dass jemand da ist, an den sie sich wenden können", sagt der Vater einer neunjährigen Tochter. Viele sprechen ihn auch nach der Stunde an, weil sie sich nicht getraut haben, vor der Klasse über ihre Probleme zu reden. Auch per E-Mail ist Binet ( p.binet@svs-stormarn.de) zu erreichen.

„Wir möchten mit unserem neuen Konzept vor allem konsumierende Jugendliche ansprechen", sagt Schmidt. Bekehrende Arbeit stehe nicht im Vordergrund, sondern der Dialog und die Auseinandersetzung mit dem Drogenkonsum. Ziel sei es, die konsumierenden Jugendlichen zu eigenen Entscheidungsprozessen kommen zu lassen, in denen sie die negativen Konsequenzen bewusst erfahren und den Rausch nicht verklären. Gleichzeitig soll die Beziehungs- und Konfliktfähigkeit geschult werden.

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